
Das “Rezept” des Schießpulvers wurde bekanntlich vor mehr als 1000 Jahren in China erfunden.
In Europa spielt es seit dem frühen 14. Jahrhundert seine entscheidende Rolle. Es beendet nicht nur endgültig das Hochmittelalter mit seinen ritterlichen Tugenden, Sitten und Gebräuchen, es revolutioniert v.a. auch die Wehr- und Stadtarchitektur.
Dienten Türme und Wehren zuerst dem Schutz vor anrückenden Heeren und marodierenden Haufen, so hatten sie jetzt gegen Kanonenkugeln zu bestehen und großräumige strategische Situationen zu beheerschen.
Die Verteidigungstechnik gab Pappenheim in vielfacher Hinsicht sein heutiges Gepräge, denn ab dieser Zeit entstand der Ausbau der Stadtmauer, der Zwingeranlagen, des Kanonenwegs, der Geschütztürme und schwindelnd hohe Burgmauern mit Schießscharten, Wehrgängen und den beiden sogenannten Pulvertürmen.


Die Stadt war von Südwesten her schwer zu verteidigen. Der sog. Kanonenweg, eine doppelte Stadtmauer die sich bis hinauf an die Burg zieht, versuchte u.a. dem Abhilfe zu verschaffen.
Er stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert und wurde im Laufe der nächsten Jahrhunderte mehrfach erweitert und verstärkt. Letzte Ausbaumassnahmen dürften noch in die Zeiten des 30jährigen Krieges fallen.
Dabei wurden der alten Stadtmauer nach und nach ein Zwinger mit Schalentürmen und ein Wehrgang auf der Mauerkrone hinzugefügt.
Die Schartenformen lassen eine Datierung der Zwingeranlage in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zu.